Flasche Génépi und Stängel der alpinen Pflanze
Kulinarik

Génépi: der Höhenpflanzen-Likör der Alpen

Génépi

Der Génépi ist der Bergslikör schlechthin, der am Ende eines Savoyer Mahls als Digestif serviert wird. Ein blassgelber bis grüner Likör, bitter und aromatisch, aus einer kleinen Höhenpflanze gemacht. Er ist ebenso ein Produkt wie eine Tradition: Viele Bergfamilien haben ihr Rezept und stellen ihn selbst her.

Die Pflanze, eine Hochgebirgs-Edelraute

Der Génépi ist zuerst eine Pflanze, oder vielmehr mehrere. Es sind Edelrauten der Gattung Artemisia, die im Hochgebirge wachsen, oft über 2000 Metern, in den Felsen und Geröllfeldern. Die meistverwendeten sind der schwarze Génépi (Artemisia spicata) und der gelbe Génépi (Artemisia mutellina). Diese Pflanzen konzentrieren intensive Aromen und eine charakteristische Bitterkeit, die dem Likör seinen Geschmack geben. Das Pflücken ist reglementiert, um die Art zu schützen, die langsam und in kleiner Menge wächst.

Das Rezept der 40

Das traditionelle Génépi-Rezept lässt sich auf eine leicht zu merkende Formel bringen: vierzig Stängel, vierzig Zucker, vierzig Tage. Man lässt 40 Stängel blühenden Génépi in einem Liter 40-prozentigem Alkohol mazerieren, 40 Tage lang, mit 40 Zuckerstücken. Nach den 40 Tagen entfernt man die Stängel, um übermäßige Bitterkeit zu vermeiden, vor allem wenn der Alkohol stark war, filtert und gleicht mit einem Zuckersirup aus. In der Flasche lässt man den Likör besser mindestens einen Monat ruhen, damit die Aromen verschmelzen.

Manche bevorzugen einen starken neutralen, mit Wasser verdünnten Alkohol statt eines bereits 40-prozentigen, um die Bitterkeit besser zu steuern. Das Rezept wird weitergegeben und diskutiert, und jeder passt den Zucker nach Geschmack an.

Ihn trinken

Der Génépi wird als Digestif getrunken, gekühlt oder bei Zimmertemperatur, in kleiner Menge. Seine Bitterkeit hilft, ein reichhaltiges Mahl zu beenden, nach einem Fondue, einer Raclette oder einer Tartiflette. Manchmal wird er auch als Longdrink oder im Cocktail serviert, doch die Tradition bleibt das kleine, pure Glas. Es ist ein starker Likör, in Maßen zu genießen.

Wo man ihn findet

Handwerklichen Génépi findet man bei lokalen Erzeugern, in Bergbrennereien und auf Märkten, überall in der Haute-Savoie. Hüten Sie sich vor zu süßen Industrieversionen: Ein guter Génépi behält die Bitterkeit der Pflanze. Um diesen Likör unter den Terroirprodukten einzuordnen, siehe die Seite Savoyer Spezialitäten. Man findet ihn leicht in den Orten und Dörfern, etwa um Chamonix und im Pays du Mont-Blanc.

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